Es war einer der ersten Frühlingsmorgen. Die Nacht war noch kalt gewesen, aber am Tag würde die Sonne zum Draußensitzen einladen. „Gemüüüütlich“, dachte sich Max und drehte sich unter der Bettdecke einmal um die eigene Achse. Er liebte es, am Fußende von Ottos Bett zu liegen, mit Ottos Zehen in seinem dichten Fell.

Trotz seiner Größe war Max dann kaum zu sehen – nur die Schnauze, die schaute stets unter der Bettdecke hervor. Denn auf seine Nase konnte sich Max verlassen. Kein Geruch entging ihm, und die meisten Gerüche waren für einen Hütehund wie ihn sehr aufregend. Mit dem Sehen dagegen hatte er es eher nicht so. Das lag aber hauptsächlich daran, dass ihm stets eine ganze Menge Zotteln seines sehr, sehr zotteligen Fells ins Gesicht hingen.

Welcher Geruch stört denn da die Morgenruhe?

Während Max noch so dalag, ein Auge bereits zugeklappt hatte und gerade im Begriff war, das andere Auge auch wieder zuzuklappen, stieg ihm etwas in die Nase. Ein ganz seltsamer Duft. So etwas hatte er noch nie gerochen. Was das wohl war? Er ließt das eine Auge aufgeklappt und überlegte. Sollte er aufstehen und dem Geruch nachgehen? Oder lieber im weichen, warmen Bett liegenbleiben? Das roch schon sehr interessant. Aber das warme Bett… Normalerweise war er nicht der Typ Hund, der kuschelige Orte gerne freiwillig verließ. Sehr neugierig war er allerdings auch, was ab und an, so wie jetzt, Konfliktsituationen hervorrufen konnte. Er könnte es ja wagen… Dieser Geruch… Er war hin- und hergerissen. Dann schob er testweise eine Pfote unter der Bettdecke hervor, klappte nun auch wieder das zweite Auge auf und kroch schnüffelnd ganz unter der Bettdecke hervor. Otto schnarchte unterdessen selig weiter.

Mit der Nase am Boden tapste Max nach unten und ins Freie. Er schlich quer über die Lichtung, hinein in den gegenüberliegenden Wald und folgte einem schon ziemlich eingewachsenen Feldweg. Der Geruch wurde immer intensiver, bis Max schließlich unter einem Baum einen ziemlich seltsamen Gegenstand wahrnahm. Daneben lagen die Reste von einem Apfel sowie ein Stück Brot, über das sich bereits die Vögel hermachten. Offensichtlich hatte hier vor Kurzem jemand Rast gemacht und den seltsamen Gegenstand aus Versehen zurückgelassen.

Die besten Hundekuchen der Welt!

Max begutachtete den Gegenstand von allen Seiten. Der unbekannte Duft ging eindeutig von ihm aus. Es war eine Art Behälter mit Deckel, offensichtlich aus Holz geschnitzt und ziemlich massiv. „Ein Fressnapf!“, dachte Max entzückt und stellte sich darauf ein, nun die besten Hundekuchen seines Lebens vorzufinden. Fressen war definitiv eine seiner Lieblingsbeschäftigungen.

Während er noch freudig um den Behälter herumhopste, und ihn mehrmals mit der Nase anstieß, um ihn zum umkippen zu bewegen, hört er auf einmal aus der Ferne laute Rufe. „Max! Max, wo bist Du?“ – Oh nein! Otto! Den hatte er ja ganz vergessen… Der machte sich sicher große Sorgen, denn dass Max vor ihm aufstand kam wirklich nie vor. Schlafen war nämlich definitiv auch eine von Max‘ Lieblingsbeschäftigungen. Und kalte Zehen hatte der Otto jetzt bestimmt auch, denn die wärmte er ja immer in Max‘ sehr, sehr zotteligem Fell. Aber diesen Behälter für die besten Hundekuchen der Welt, den musste er Otto unbedingt zeigen! Deshalb fing Max laut an zu bellen, was ein Hund von seiner Größe hervorragend konnte. Wenig später kam Otto schon ganz aufgeregt angerannt. „Max, da bist Du ja!“, rief er erleichtert und gab seinem besten Freund eine riesige Umarmung, bei der er beide Arme tief in Max‘ Fell vergrub. „Ich hab mir solche Sorgen gemacht! Ich dachte schon… Oh! Was ist denn das?!“

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