Es war einmal, zu einer unbestimmten Zeit, in einem fernen Land hinter den drei großen Bergen, den sieben großen Seen und dem undurchdringlichen Wald ein Zimmermann namens Otto. Zusammen mit seinem sehr, sehr zotteligen Hund Max wohnte Otto weit abgeschieden vom nächsten Dorf in einem schönen Holzhaus, das auf einer Lichtung am Waldrand stand.

Otto liebte sein Zuhause. Im Winter, wenn die Last des Schnees die Äste der Bäume tief herabhängen ließ, und die klare Luft vor Kälte schon fast knisterte, unternahm er mit Max gerne ausgedehnte Spaziergänge durch den tiefen Schnee. Gemeinsam beobachteten sie Eichhörnchen, die kurz ihre Winterruhe unterbrachen, um nach versteckten Essvorräten zu suchen, und scheuchten Schneehühner auf, die sich im dichten Unterholz versteckt hielten.

Frühling, Sommer, Herbst und Winter

Den Frühling, mit seinen ersten Sonnenstrahlen, dem immer lauter werdenden Vogelgezwitscher und den ersten grünen Trieben an den Bäumen, nutzte Otto stets für Reparaturen an seinem Haus. Er besserte Dachschindeln aus, strich die Fensterrahmen neu und begradigte die Eingangstüre, die sich im Winter jedes Mal aufs Neue wieder verzog.

Im Sommer gingen Max und Otto gerne gemeinsam im nahe gelegenen Bach baden. Anschließend legten sich sich noch nass auf eine Decke in die Wiese und ließen die Wolken über ihren Köpfen hinwegziehen.

Ottos Lieblingsjahreszeit war jedoch der Herbst. Dann setzte er sich abends zusammen mit Max auf die schlichte Holzbank, die unter einer großen Eiche am Rande der Lichtung stand, und sie schauten in den Himmel. Otto kannte jedes Sternbild. Er liebte es, den Mond zu bestaunen, die leuchtenden Planeten, und die am Firmament vorbeigleitenden Lichtpunkte.

Wo ist Max?

Max und Otto waren beste Freunde. Sie unternahmen alles zusammen. Umso erstaunlicher war es, dass eines Tages, an einem schönen Frühlingsmorgen, Max nicht aufzufinden war. Nach einer Nacht voller tiefem, festen Schlaf war Otto mit eiskalten Zehen aufgewacht. Normalerweise waren kalte Zehen bei Otto ausgeschlossen, denn am Fußende seines Bettes lag stets Max und wärmte ihn. Der lag dabei am liebsten fast vollständig unter der Bettecke; nur seine Schnauze und ein paar Zotteln seines sehr, sehr zotteligen Fells schauten heraus. Kalte Zehen bedeutete, dass Max nicht da war – und das kam nie vor! Hastig war Otto aufgesprungen und hatte überall nach Max gesucht. Weder im Schlafzimmer, noch in der Stube war er aufzufinden und auch nicht im Schuppen oder auf der Lichtung, auf der die Sonne bereits die Tautropfen auf den Gräsern zum glitzern brachte. So sehr Otto auch nach Max rief, es half nichts. Sein bester Freund blieb verschwunden.

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